DAS TÄGLICHE LEBEN IM ALTEN ÄGYPTEN

Um das tägliche Leben der Alten Ägypter zu verstehen, zapfen die Archäologen an vielen Quellen. Die ergiebigsten sind Grabmalereien, Reliefs und die Grabbeigaben des täglichen Gebrauchs. Kunstgegenstände einiger Städte, die ausgegraben wurden, und hunderte von Dokumenten, die von den Alten Ägyptern geschrieben worden waren, bringen zusätzlich Licht in ihr Leben. Vieles des täglichen Ablaufs bleibt jedoch weiterhin im Dunkeln.

Die engste Familie war die grundlegende soziale Einheit im Alten Ägypten. Der  Vater war verantwortlich für das wirtschaftliche Wohlergehen der Familie, und die Mutter überwachte den Haushalt und sorgte für die Erziehung der Kinder. Obwohl ägyptische Kinder Spielzeug hatten und gelegentlich beim Spiel dargestellt werden, verbrachten sie den größten Teil ihrer Zeit damit, sich auf das Erwachsenenleben vorzubereiten. Zum Beispiel begleiteten Kinder der ländlichen Bevölkerung ihre Eltern auf die Felder; der männliche Nachwuchs der Handwerker diente oft als Lehrling ihrer Väter. Privilegierte Kinder erhielten manchmal eine staatliche Erziehung, um Schreiber oder Armeeoffizier zu werden.

Die wenigen Möbelstücke in den Häusern Alter Ägypter hatten eine einfache Form. Das üblichste Möbelstück war ein niedriger Stuhl, der von allen Ägyptern bis hin zum Pharao benutzt wurde. Diese Stühle waren aus Holz, hatten lederne oder geflochtene Sitze und drei oder vier Beine. Die meisten Küchen waren mit einem zylindrischem Lehmofen zum Kochen ausgestattet. Nahrungsmittel wurden in gedrehter Tonware aufbewahrt. Der übliche Kochtopf war eine zweihenklige Tonpfanne.
Die Alten Ägypter schmückten ihre meist schlichte Kleidung mit kunstvoll gestaltetem Kleiderschmuck. Sowohl Männer als auch Frauen trugen Schmuck wie Ohrringe, Armbänder, Knöchelschmuck, Ringe und Perlenhalsbänder. Sie verwandten für ihren Schmuck viele Mineralien wie Amethyst, Granat, Jaspis, Onyx, Türkis und Lapislazuli sowie Kupfer, Gold und Muscheln. Da die Ägypter sehr abergläubisch waren, gab es unter ihrem Schmuck grundsätzlich Stücke mit magischem Schutz, sogenannte Amulette.

Kosmetik war nicht nur ein bedeutender Teil des ägyptischen Gewandes, sondern auch ein Mittel persönlicher Pflege und Gesundheit. Viele Bezüge zur Kosmetik wurden in Gräbern gefunden oder auf Grabmalereien dargestellt. Öle und Salben hatten lebenswichtige Bedeutung unter der heißen ägyptischen Sonne und den trockenen Winden. Augenfarben, sowohl grün als auch schwarz, sind möglicherweise die charakteristischsten Merkmale ägyptischer Kosmetik. Das grüne Pigment, Malachit, wurde aus Kupfer hergestellt. Die schwarze Farbe, "Kohl",  bestand aus Blei oder Asche. "Kohl" wurde gewöhnlich in einem kleinen Topf mit flachem Boden, einer breiten, sich stark verengenden Tülle und einem flachen tellerförmigen Deckel aufbewahrt.

Der Nil

Der größte Bedeutung in Ägypten hat der Nil. Er war der Lebensfluß des Alten Ägypten und macht auch heute noch das Leben in der sonst dürren Wüste möglich. Als längster Fluß der Erde (mehr als 4000 Meilen) wird der Nil in Karthun, Sudan, aus dem Weißen Nil, der vom Viktoria-See in Uganda kommt, und dem Blauen Nil, der in den Bergen Äthiopiens entspringt, gebildet. Der Nil war die Hauptverkehrsstraße der Alten Ägypter. Sie entwickelten verschiedene Schiffstypen für den Verkehr auf dem Fluß, Lastschiffe, Passagierschiffe, Totenschiffe und Kriegsschiffe. 

Der Nil diente ebenso als Nahrungsquelle für die Menschen des Alten Ägypten und war das Rückgrat der Landwirtschaft dieser Region. Der Fluß wimmelte von Fischen und die alten Ägypter nutzten viele Sorten als Nahrung wie Katzenwels, Äsche, Bolti und Barsch.  Weil er eine Schicht nährstoffhaltigen Schlicks zurückließ, wenn er nach den jährlichen Überschwemmungen zurückging, und so der Bewässerung diente, machte der Nil Landwirtschaft und damit Leben im Alten Ägypten möglich. Der Fluß war eine ständige und wichtige Wasserquelle in einer Wüstenumgebung. Da die jährliche Überflutung durch den Nil die Überschwemmungsgebiete mit Wasser und neuem Boden versorgte, symbolisierte sie für die Alten Ägypter die Wiedergeburt.

Der schmale Streifen fruchtbaren Lands an den Seiten des Nil sind die Überschwemmungsgebiete. Die meisten antiken Siedlungen lagen auf den höchsten Erhebungen dieser Zone, und hier war die intensivste Landwirtschaft. Ein Streifen des höher gelegenen Landes an den Rändern des Überschwemmungsgebietes, die Steppe, wurde nicht vom Nil bewässert. Es gab hier nur wenig Vegetation, wo gejagt wurde und die Ägypter ihre Friedhöfe anlegten. 

Die Wüste war eine unfruchtbare Gegend, die nur von Handelskarawanen oder organisierten Gruppen durchquert wurde, die nach Steinen und Mineralminen suchten. Einige Oasen lagen in der Wüste und wurden kultiviert, um wertvolle Früchte anzubauen wie Pampelmusen und Datteln. Diese Gebiete waren wichtige Verbindungspunkte beim Handel mit entfernten Gebieten.
 


Beerdigungsriten

Das meiste über die Altägyptische Kultur wissen wir aus archäologischen Entdeckungen aus Gräbern. Objekte, Inschriften und Gemälde in Gräbern ließen die Ägyptologen darauf schließen, dass das, was die Auseinandersetzung mit den Tod zu sein schien, tatsächlich ein übermächtiger Wunsch war, im Nachleben das "gute Leben" zu bewahren und fortzusetzen, das man hier genossen hatte.

Mehr als dreitausend Jahre der Geschichte Altägyptens hatte der traditionelle Glaube an den Übergang zum ewigen Leben Bestand und wurde von Zeit zu Zeit von neuen Gedanken ergänzt. Am bedeutendsten für die Teilnahme am Nachleben war die Notwendigkeit, eine persönliche Identität zu bewahren. Konsequenterweise mußte der Körper erhalten bleiben und normale Angebote an Nahrungsmitteln und Getränken erhalten.

Das Nachleben wurde gesichert durch 1. die Erhaltung des Körpers durch Mumifizierung; 2. den Schutz des Körpers in einem Grab, das den Namen des Verstorbenen trug; und 3. den Verstorbenen mit Nahrung und Getränken zu versorgen oder deren Abbildung für den Fall, dass niemand erreichbar war, sie ihm anzubieten.

Um den Geist des Verstorbenen zu schützen, wurden Szenen und Inschriften auf Särge und die Wände der Gräber gemalt. Diese Texte schlossen solche Adaptionen des Mythos über Tod des Osiris mit ein und Beschwörungen, die den oder die Verstorbene auf ihrem gefährlichen Weg zur Unterwelt beschützen sollten. Shabtis genannte Figuren dienten als Diener der Verstorbenen.

Der letzte Schritt beim Übergang in das Nachleben war das Urteil des Osiris, dem Gott der Unterwelt, bei einem Ritual, das als Wiegen des Herzens bekannt war. Wenn jemand ein bescheidenes Leben geführt hatte, wurde er oder sie des ewigen Lebens wert befunden. Viele Beschwörungen und Rituale sollten ein günstiges Urteil bewirken und wurden in das "Buch des Todes" geschrieben, das aus Papyrus oder Leinen bestand.

Alle Altägypter glaubten an ein Nachleben, und führten ihr Leben in Vorbereitung darauf.  Pharaoen bauten die großartigsten Gräber, sammelten die ausgesuchtesten Grabbeigaben und wurden auf die sorgfältigste Art mumifiziert. Andere waren in der Lage, für ihr Nachleben entsprechend ihrer irdischen Mittel vorzusorgen. Unabhängig von ihrem Reichtum jedoch erwarteten alle, dass das Nachleben eine idealisierte Form ihres irdischen Lebens war.
 

Religion und Götter

Die Altägypter setzten jedes Ereignis in Beziehung von natürlichen und übernatürlichen Mächten. Jene Phänomene, die ihr Leben an erster Stelle berührten, umfaßten den jährlichen Kreislauf der Überschwemmung des Nil, die ungeheure Größe und unwandelbare Härte der umgebenden Wüste, und den täglichen Kreislauf der Sonne, die im Osten erschien, gradlinig über den Himmel wanderte und dann im Westen verschwand. Die Altägypter entwickelten eine Weltsicht, in der diese und andere Ereignisse und Bedingungen, die dazu gehörten, mit Handlungen einer Vielzahl miteinander verwandten Götter und Göttinnen in Verbindung gebracht wurden.

Die Altägypter stellten sich vor, die Welt wäre ein ganz anderer Ort als wir ihn kennen. Sie glaubten, die Erde wäre eine flache Lehmscheibe, die auf dem riesigen Wasser schwimmt, aus dem der Nil entspringt. In dieser grundlegenden Beschreibung der Welt wurden die Naturgewalten als göttliche Abkömmlinge des Schöpfergottes angesehen.

Wenn wir versuchen, unter den vielen ägyptischen Gottheiten eine Ordnung zu schaffen, müssen wir zwei Tatsachen berücksichtigen. Erstens wurden im Laufe der ägyptischen Geschichte Unter- (Nord-) und Ober- (Süd-) Ägypten unter einem Herrscher geeint. Diese Einigung ergab sich aus der Vermischung unterschiedlicher kultureller Traditionen. Zweitens bestand die Altägyptische Zivilisation länger als dreitausend Jahre, und darum entwickelten sich die Gottheiten und Mythen über die Zeit hinweg aus neuen Ideen, Beziehungen zu anderen Völkern und Änderung kultureller Werte.

Eine der bekanntesten Legenden der ägyptischen Mythologie beispielsweise handelt von einer Gottheit, die einst ein Herrscher im Nildelta gewesen sein mag. Ursprünglich war Osiris ein Gott, der mit der Stadt Busiris im Delta verbunden war; mit der Zeit erlangte dieser örtliche Gott eine landesweite Bedeutung.
 
 



Ra - Apopis