ÄGYPTISCHE MYTHOLOGIE

RE (RA) Vater der Götter.

Kultzentrum: Heliopolis und ganz Ägypten.

Eigenschaften: Von früher Zeit war Ra der Sonnengott. Er hatte viele Eigenschaften und nahm auch die Namen anderer Götter an, als sich die ägyptischen Mythen entwickelten. Ein schönes Beispiel dafür ist die Vermischung von Ra und Amun, die zu Amun-Ra oder Ra wurden und mit Horus, der zu Ra-Harakhte wurde. Da Ra ein sehr alter Gott war, gibt es viel zu viele Geschichten in Zusammenhang mit ihm, um sie alle wiederzugeben. Ich stelle hier einige vor, die ich besonders interessant finde, einschließlich der Legende von Ra und Hathor.

Eine Legende berichtet, dass Ra täglich wiedergeboren wird und seine Reise über den Himmel antritt. Man glaubte, dass Ra im Manjet-Boot reiste oder in der "Barke den Milionen Jahre". Er wurde bei seiner täglichen Reise von einer Mannschaft vieler Götter begleitet.
Das Manjet-Boot segelte durch die zwölf Provinzen, die für die zwölf Stunden des Tageslichts stehen. Am Ende jeden Tages, so glaubte man, starb Ra und schifft sich zu seiner Nachtreise ein. Für diese Reise wurde er "Auf" genannt, was "Leichnam" bedeutet. Ra segelte in einem Boot namens Mesektet-Boot oder Nachtbarke auf seiner Reise durch die zwölf Stunden der Dunkelheit.
Es war nicht immer friedlich, auf diesen Schiffen zu segeln. Während des Tages mußte sich Ra gegen seinen Hauptfeind wehren, eine Natter oder Schlange nahmens Apep. Ein heftiger Kampf wurde zwischen Ra und Apep ausgefochten, und Ra war meist siegreich, jedoch glaubten die Ägypter, dass an stürmischen Tagen oder bei einer Sonnenfinsternis Apep siegte und die Sonne verschlang.

Da in der Unterwelt kein Wind weht, mußte sich Auf (Ra) auf verschiedene unfreundliche Geister und Dämonen verlassen, ihm dabei zu helfen, seine Barke auf dem Unterweltfluß weiterzuziehen. Aufs Hauptarbeit in der Unterwelt war es, den Seelen der Toten Licht zu bringen, während er ihre Ruhestätte durchquerte. Nachdem er sie verlassen hatte, blieben diese Seelen wieder in einer einsamen Dunkelheit zurück. Die Unterwelt dieser frühen Sonnenmythen war ein gänzlich anderer Ort, als wir ihn im Osiriskult späterer Zeiten finden.

Darstellung: Er wird oft als Falke oder falkenköpfiger Mann dargestellt, mit einer Sonnenscheibe auf dem Kopf, die von einem Uräus umgeben ist. Oft wird er mit der Doppelkrone Ober- und Unterägyptens dargestellt.

Verwandschaft: Vater des ersten göttlichen Paares, Shu und Tefnut. Großvater von Geb und Nut, deren Kinder waren Osiris und Isis, Seth und Nephthys. 

Andere Namen: Re, Phra.
 
 


Die Legende von Ra und Hathor 

Ra war der Sonnengott, König der Götter und Schöpfer aller Dinge einschließlich der Menschheit. Vor langer Zeit lebte Ra auf der Erde und regierte ein großartiges Königreich. Lange Zeit blühte dieses Königreich und die Menschen brachten Ra den Respekt entgegen, den er verdiente, aber Ra wurde alt und sie machten sich über ihn lustig. Ra wurde sehr ärgerlich, als er von dieser Gotteslästerung der Menschen erfuhr. Er versammelte die Götter um sich, um sich ihren Rat anzuhören.

Die Götter trafen sich im Geheimen, so dass die Menschen von diesem Treffen nichts wußten. Die ganze Gesellschaft großer Götter waren um Ra herum versammelt, als er ihnen von der Undankbarkeit der Menschen berichtete. Ra sagte zu seinem Vater: "Nu, du wurdest als erster geboren, ältester der Götter, ich bin dein Sohn, ich brauche deinen Rat. Die Menschen, die ich erschuf, sprechen schlecht von mir. Sie feinden mich an, aber ich will sie nicht zerstören, bevor du gesprochen hast."

Nach einer Weile antwortete Nu und sagte: "Du bist ein großer Gott, du bist größer als ich, du bist der Sohn, der mächtiger ist als sein Vater. Wenn du deine Augen auf Geschöpfe richtest, die dich lästern, sollen sie von der Erde verschwinden." Und Ra tat, wie Nu ihm gesagt hatte, und richtete seinen schrecklichen Blick auf die Menschen auf der Erde, und sie rannten ziellos herum und versteckten sich im Schatten, wo das Auge Ras sie nicht verletzen konnte.

Wieder trafen sich die Götter, um Ra zu raten, und sie sagten, er sollte sein Auge unter die Menschen schicken, so dass sie sich nicht verstecken könnten. So ging das Auge Ras in Gestalt der Göttin Hathor zu den Verstecken und brachte Furcht in die Herzen der Menschen. Viele kamen um. Hathor kehrte nach dem ersten Tag zu Ra zurück, mächtig wie eine Löwin.
Sie nahme die Gestalt von Sekhmet an und erklärte: "Ich war mächtig zwischen den Menschen. Es hat mir gefallen." Aber da sie Blut geleckt hatte, wollte Sekhmet nicht beruhigt werden.

Ra fürchtete nun, dass Hathor-Sekhmet die menschliche Rasse völlig zerstören würde. Er wollte die Menschheit regieren und nicht zerstört sehen. Es gab nur einen Weg, Hathor-Sekhmet zu stoppen, er mußte einen Trick anwenden. Er befahl seinen Bediensteten, siebentausend Krüge Bier zu brauen und es rot zu färben mit Alraunen und dem Blut der Erschlagenen. Am Morgen ließ Ra seine Diener das Bier dorthin bringen, wo Hathor voraussichtlich den Rest der Menschheit niedermetzeln würde. Ras Diener gossen die Biermischung über die Felder. Und dann kam Hathor-Sekhmet zu diesem Platz, an dem das Bier die Felder überflutete. Als sie hinunter sah, wurde ihr Blick von ihrem Spiegelbild gefangen, und es gefiel ihr. Sie trank viel von dem Bier, wurde betrunken und löschte ihren Blutdurst.

 

Murial Painting from Egypt.